BZ - Eine Karte, die viel Gutes tut

Sozial Jobfactory und BLKB gemeinsam

Basellandschaftliche Zeitung

Wenn ein Finanzinstitut wie die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) zu einer Medienkonferenz lädt, stehen normalerweise nüchterne Zahlen und Fakten im Vordergrund. «Heute allerdings nicht, heute stehen keinesfalls Bilanzen, Tabellen und Gewinne im Mittelpunkt meiner Ausführungen», betont der Präsident der Geschäftsleitung, Beat Oberlin. Und tatsächlich dreht sich für einmal alles um soziale, nicht finanzielle Aspekte: Die BLKB lanciert eine neue Bankkarte und unterstützt damit die Jobfactory, eine private Initiative gegen die Jugendarbeitslosigkeit in der Region. Dank der «Jobfactory-Karte» soll gemäss Oberlin jährlich ein sechsstelliger Betrag den Projekten der Jobfactory zufliessen. Dieses Geld kommt durch das gemeinsame Handeln der Basellandschaftlichen Kantonalbank und deren Kunden zusammen: Die BLKB überweist für jede Zahlung mit der Karte – eine normale Maestro-Karte, mit der weltweit an Bancomaten Geld bezogen sowie in Geschäften bar bezahlt werden kann – ein Viertel Prozent an die Jobfactory; die Kunden ihrerseits zahlen für die Karte 30 anstatt 20 Franken, wobei die zusätzlichen zehn Franken ebenfalls der Jobfactory zugute kommen. Als Gegenleistung erhalten alle Inhaber der neuen Maestro-Karte sieben Prozent Rabatt auf ihre Einkäufe im Jobfactory-Laden.

Keine Verschuldungsgefahr

Die Bankkarte soll vor allem junge Leute motivieren, sich sozial zu engagieren, erklärt Oberlin. Den Einwand, genau dieses Kundensegment wäre leichter mit einer Kreditkarte zu «ködern» gewesen, lässt der BLKB-Geschäftsleitungspräsident nicht gelten: «Hätten wir eine Kreditkarte herausgegeben, wäre dieser Schritt sozialpolitisch ungeschickt gewesen. Wir können doch nicht einerseits die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen und andererseits riskieren, dass sich Jugendliche mit unserem Produkt masslos verschulden.»

Sichtlich zufrieden mit der«Jobfactory-Karte» ist Robert Roth, Gründer und Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. Der Vorteil einer «Adhoc-Karte» bestehe darin, dass der Kunde genau wisse, wohin sein gespendetes Geld fliesse. «Wir investieren es in Arbeitsplätze für die Jugendlichen und auch in die Weiterentwicklung unserer Geschäftsfelder. Die Nachfrage nach unseren Praktikumsplätzen ist sehr gross. Es gibt in der Region heute über 3600 Personen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die weder eine Lehr- noch eine Arbeitsstelle finden», sagt Roth.

Zurzeit absolvieren in der Jobfactory 120 junge Leute ein Praktikum von sechs bis zwölf Monaten. Fachleute unterstützen sie auch bei der Suche nach Lehr- und Arbeitsstellen. Wenn die Jugendlichen das Praktikum erfolgreich abschliessen, haben sie grosse Chancen auf eine positive Anschlusslösung. Seit der Gründung im Jahr 2000 haben über 1000 Jugendliche die ersten Arbeitserfahrungen in der Jobfactory gesammelt. 80 Prozent der Jugendlichen beenden ihr Praktikum erfolgreich und rund 70 Prozent finden danach eine positive Anschlusslösung. Der Umsatz beträgt jährlich ungefähr zwölf Millionen Franken.

LORIS VERNARELLI

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